Sozial bewährte Namensgebung

Soziale Bewährtheit

auch bei der Namensvergabe der eigenen Kinder

NAMENSGEBUNG: Als ich mich 1997 auf die Suche nach einem Namen für meinen Erstgeborenen machte, war ich mir am Ende sicher: „So wird im Kindergarten niemand heißen!“ Ein besonderer Name musste es schon sein. Zu einem ganz besonderen Menschen eben. Meinem Erstgeborenen. Man verglich, wie oft einem bereits schon welcher Name untergekommen war, und mied peinlich alles, was in der Erinnerung an Menschen und Situationen eine kritische Marke von mehr als drei ergab. Schlussendlich stand der Entschluss. Niemand den ich kannte hieß so. Selten hatte ich diesen Namen je zuvor gehört. Das war ein guter Entschluss….

Quelle: (Auszug/Ergänzung) Handbuch Manipulation | systemische Einflussnahme | Soziale Bewährtheit ab Seite 285ff

Unbewusste Trends bei der Namensvergabe in den US Bundesstaaten von 1960-2012

Unbewusste Trends bei der Namensvergabe in den US Bundesstaaten von 1960-2012

Quelle: Reuben Fischer-Braun hat sich die Arbeit gemacht. Von 1960 bis 2012 hat er die Trends bei der Namensvergabe für alle Bundesstaaten Amerikas recherchiert und in einer animierten Grafik zusammengestellt (bitte auf das Bild klicken). Ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie das Prinzip der sozialen Bewährtheit selbst bei der Namensgebung einen so massiven Eindruck hinterlässt.

Um es kurz zu machen, der Vorname „Felix“ rangierte 1997, sogar in den Top Ten. Um genau zu sein, auf Platz 9 (s.h.beliebte-vornamen.de). Grmpf! Nur wie kam das? Bewusst hätte ich schwören können, dass mir kaum jemand in meinem Leben zuvor mit dem Namen „Felix“ über den Weg gelaufen war.

Dummerweise gibt es diese hübsche WebSite mit den beliebtesten Vornamen erst seit 2007. Ich hätte sicher vorher nachgesehen. Dann hätte ich auch festgestellt, dass genau dieser Vorname bereits von 1994 bis heute, ungeschlagen in der TopTen der Vornamen für Jungen steht. Sehr wahrscheinlich hätte ich dann anders entschieden. Naja, vielleicht. Nun, ok, man weiß es nicht. Aber als er dann in den Kindergarten kam, und plötzlich fünf, sechs Jungen angerannt kamen wenn man seinen Namen rief, da wurde ich dann schon neugierig. Wie kam das? Wie konnte es sein, dass sich unbemerkt und unbewusst derart Trends in die Tiefen der Mütter und Väter einschleichen, die dann zu solch kuriosen Ergebnissen führen?

Der Effekt der sozialen Bewährtheit

Ein Erklärungsversuch (Auszüge)

Besonders Robert Cialdini haben wir es zu verdanken, dass wir diesen Effekt unter diesem Namen heute kennen. Gut erforscht und mit zahllosen Beispielen aus der sozialpsychologischen Forschung belegt, lässt er uns ein Modellbildungsprinzip unseres Gehirns kennen lernen, das uns staunen lässt.

Das Prinzip der sozialen Bewährtheit (hier: als systemische Einflussnahme verstanden) springt vor allem in Situationen an, in denen wir das Gefühl bekommen, den Überblick zu verlieren. Wenn wir das Gefühl haben, eine Situation könnte uns überfordern. Wenn vieles mehrdeutig oder unklar scheint, und wir unsicher werden, nach welchem Konzept wir uns verhalten sollen, dann übernimmt diese Automatik. Dann springt mächtig und kraftvoll das Modellbildungsprinzip der „Sozialen Bewährtheit“ an und bewahrt uns vor voreilig bewussten Verhaltensexperimenten. Damit wir uns wieder schnell stabil, sicher, zugehörig, klar und orientiert fühlen können – im Übrigen alles Grundbedürfnisse im Kontext von Beziehungssystemen – gehen wir daher nur allzu gern den Vorschlägen dieses Prinzips nach, das uns dazu anhält, unser eigenes Verhalten doch besser am Verhalten anderer auszurichten.

Aber was passiert wohl, wenn all diese Anderen, im gleichen Moment der Überforderungen, sich nun auch auf die Suche nach einem passenden Reaktionsmodell machen? Wenn diese selber nach links und rechts schauen, um sich zu orientieren um ein Konzept für ihre Entscheidungen und Verhalten zu finden? Auf jeden Fall ist dann erst einmal der Nährboden geschaffen, auf dem sich frisch und fröhlich das Phänomen des „kollektiven nicht sehen Wollens“ entwickeln kann (Latané, 1981). Diesem Phänomen haben wir es auch zu verdanken, das Prinzip der sozialen Bewährtheit in den Tiefen unserer unbewussten Verarbeitungsmuster, überhaupt erst entdeckt haben zu können.

Das spannende nämlich bei diesem kollektiven Wegschauen ist, desto mehr „Andere“ es gibt, umso schneller entwickelt sich dieses Phänomen auch. Proportional, mit jedem neu dazukommenden Zuschauer, verringert sich das persönliche Gefühl der Eigenverantwortlichkeit und die kollektive Orientierungsstarre macht sich breit.

Prof. Robert Cialdini

Prof. Robert Cialdini

Robert Cialdini (27.04.1945) ist ein wirklich findiger Professor für Psychologie und Marketing an der Arizona State University. Dr. Robert Cialdini hat wesentliche, sozialpsychologische Forschung auf nur sechs anschauliche Wirkprinzipien eingedampft, so dass es nun wirklich jedem möglich ist, vieles an systemischer Einflussnahme zu verstehen und für eigene Manipulationskonzepte zu nutzen.

Cialdini hat schon früh sein Interesse für alle möglichen Konzepte und Phänomene der Einflussnahme entwickelt. Sein erstes Buch hieß entsprechend auch gleich so: „Influence“. In den letzten Jahren konnte man vor allem in verschiedenen Neuauflagen an dem umfangreichen Fortschritt seiner Forschung zur systemische Einflussnahme teilhaben.

Ein paar Alltagsbeispiele

in die die sozialpsychologische Forschung ihre Nase gesteckt hat

Solomon Asch

Solomon Asch

Solomon Asch (14.09.1907 – 20.02.1996) war ein Gestaltpsychologe und Pionier in der Sozialpsychologie. Er war Professor für Psychologie und entwickelte in den 1950er Jahren sein weltberühmtes: „Asch Conformity Experiment“. Asch wollte zeigen, wie der Konformitätsdruck einer Gruppe eine Person in der Art beeinflussen kann, dass sie offensichtlich und wider bessern Wissens zu einer falschen Aussage getrieben werden kann. Damit hat Asch den Grundstein gelegt, für das moderne Prinzip der systemischen Einflussnahme.

Mit seinen These und Experimenten beeinflusste er nachhaltig unter anderem auch die Arbeit von Stanley Milgram. Milgram (zu dem ich an anderer Stelle noch ganz ausführlich erzählen werde).

Nahezu an jeder Ecke in deinem Alltag kannst du erleben, wie Menschen versuchen, dieses Prinzip für sich zu nutzen. Ob es der Straßenmusikant oder Bettler ist, der selbstverständlich seine Mütze „erst-befüllt“. Oder der Barkeeper, der ein paar Scheine in das Glas für sein Trinkgeld stopft. Oder geschickte Club- oder Discobetreiber, die künstlich eine lange Schlange vor ihrem Eingang erzeugen. All diese machen es wie 1934 Sylvan Goldman. Den kennst du nicht? Doch – sicher kennst du den. Das war der Erfinder des Einkaufswagens. Nur sein Problem war, dass seine ursprüngliche, stahlgeschweißte Konstruktion derart seltsam anmutete, dass sie einfach niemand nutzen wollte. Und was tat er? Der findige Unternehmer engagierte sich flugs ein paar professionelle Einkaufswagenschieber aus der Nachbarschaft, die fortan nichts anderes taten, als die Stahlkarosse durch den Laden zu schieben. So begann der Siegeszug des Einkaufswagens.

Aber selbstverständlich hat auch mittlerweile auch die Wissenschaft diesen Effekt für sich entdeckt. In den späten 1960er-Jahren entdeckte einer der weltweit anerkanntesten Psychologen, der Kanadier Albert Bandura, einen ganz erstaunlichen Effekt. Er fand heraus, dass Kinder mit einer ausgesprochenen Angst vor Hunden, diese verlieren konnten, wenn man sie eine halbe Stunde am Tag, durch eine Glasscheibe hindurch, ein anderes Kind beim fröhlichen Spiel mit dem Vierbeiner, beobachten ließ. Das war es auch schon (Bandura, 1967). Ein paar Jahre später versuchten sich Andere am gleichen Experiment, nur dieses Mal nutzen sie nicht die Realität, sondern einen Film (Hill, 1968).

Das Ergebnis ließ sich auch da wiederholen. Das Interessante dabei aber war, dass die Effektivität des Experiments in der Art stieg oder fiel, in dem sich die Versuchsperson mit dem Hauptdarsteller der präsentierten Lösungstrance identifizieren konnte. Das funktioniert nun dummerweise nicht nur beim Erlangen gewünschten Verhaltens, sondern auch bei unerwünschtem. Hierfür ließen 1991 die Forscher nun Jugendliche Filme anschauen, die gewalttätiges Verhalten zeigten. In fast 30 Experimenten dieser Art zeigte sich ganz deutlich, dass auch hier die Versuchspersonen sich von dem gezeigten Verhalten anstecken ließen. Je nachdem, ob sie sich mehr oder weniger gut mit den Darstellern identifizieren konnten, zeigten sie nun ebenso mehr gewalttätiges Verhalten als zuvor.

Wenn diese Jugendlichen sich dann auch noch in einer Clique mit Gleichaltrigen befanden, konnte man nahezu garantieren, dass bald die ganze Gruppe schon das präsentierte Verhaltenskonzept übernahm.

Daraus kann man allgemeiner gesagt ableiten: dass, umso mehr Menschen eine bestimmte Idee für richtig und gut halten, desto mehr dann auch das einzelne Gruppenmitglied jene Idee für gut und wahr für sich adaptieren wird. Vor allem dann, wenn der Einzelne sich in einer Situation befindet, die er für sich als unsicher, unklar oder mehrdeutig erlebt. Dabei sein, ist eben doch alles!

Soziale Bewährtheit

mehr Praktisches dazu im Handbuch


Wenn Du jetzt mehr Lust auf diesen spannenden Effekt der sozialen Bewährtheit bekommen hast, und mehr darüber jetzt wissen willst, um auch selber dieses Wirkprinzip für Dich effizient zu nutzen, dann melde Dich mit Deinem Study-Account an, oder schlage im Handbuch nach. Hier bespreche ich ausführlich die einzelnen Gestaltungsprozesse anhand vieler Beispiele und zeige Dir noch weitere Aspekte, dieses spannenden Themas.

Die beliebtesten Vornamen in Deutschland

von der Gesellschaft für deutsche Sprache & Knud Bielefeld veröffentlicht

Fast 900.000 Einzelnamen wurden im vergangenen Jahr bei den Standesämtern gemeldet. Aus dieser Fülle an Namen machen zwei ganz unterschiedliche Parteien in Deutschland sich eine Aufgabe. Die Gesellschaft für deutsch Sprache (GfdS) und der Hobbyforscher Knud Bielefeld. Beide ermitteln mehr oder weniger im Wettstrei die Top Ten der deutschen Vornamen für Mädchen und Jungen. Will man das statistisch ein wenig auf die Spitze treiben, dann müsste man jetzt bemerken, dass die GfdS seit diesem Jahr eine Unterscheidung bei Erst- und Zweitnamen eingeführt hat, und der Hobbyexperte Knud Bielefeld seine Daten nicht nur von den Ämtern bezieht. Aber tendenziell sind sie sich einig.

Will man ein wenig abseits des Mainstream seinem Nachwuchs einen Namen suchen, dann könnten die Vorschläge der skurrilsten Fundstücke auf tumblr vielleicht hilfreich sein. HIER findest du die kreativsten Namensschöpfungen, die man so auf deutschen Strassen finden kann.

Ein steht auf jeden Fall fest: tendenziell sind die beliebtesten Kandidaten bei den Mädchen: Mia, Emma und Hanna/Hannah sowie bei den Jungen: Ben, Paul und Luca/Luka.

Beliebteste Vornamen für Mädchen in Deutschland 2010 - 2013

Beliebteste Vornamen für Mädchen in Deutschland 2010 - 2013

[Klick auf das Bild für animierte Darstellung]

Die beliebtesten Vornamen für Mädchen in Deutschland, hier im Zeitraffer für die Jahre 2010-2013. Ein lustiger Effekt der „sozialen Bewährtheit“ – als ob man sich abgesprochen hätte.

Um Zweitnamen bereinigte Daten der Gesellschaft für deutsche Sprache (www.gfd.de)

Beliebteste Jungen Namen in Deutschland 2010-2013

Beliebteste Jungen Namen in Deutschland 2010-2013

Manipulations-Strategien

Baukasten für Startegien effektiver Einflussnahme

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Download: Workbook: sozial bewährte Namensgebung, 13 Seiten, 1.648KB, .pdf

  • Für eine Manipulations-Strategie die auf der Grundlage der sozialen Bewährtheit aufbaut, brauchen wir als erstes eine Situation, in der unser Gegenüber eine schlechte Orientierung hat. Verunsicherung nennt man das auch (so was kann man ja recht leicht erzeugen). Sobald der Proband den Überblick verliert, kein richtiges Handlungskonzept mehr hat und auch keines ad hoc zu finden scheint, ist das perfekte Setting gegeben.
  • So sehr von seinen Grundbedürfnissen überschwemmt sein, ist ein Zustand der schnellstmöglich wieder zurück ins Gleichgewicht drängt. Das ist der ideale Zeitpunkt, ein perfektes Entscheidungs-/oder Verhaltensmuster, gewürzt mit einer Priese sozialer Bewährtheit, anzubieten. Im einfachsten Fall, macht man das Verhalten vor (so bringt man Kindern das Turmspringen bei), im realistischeren Falle belegt man seine Strategie mit Fakten.

  • Sie wollen doch ein guter Familienvater sein, der sich um die Absicherung seiner Kinder kümmert. Deshalb haben ja auch viele unserer Kunden sich genau für dieses Produkt entschieden. Statistisch gesehen haben 87.32% der Deutschen genau dieses Produkt. Das spricht ja wohl für sich!
  • Sie haben keine Rechtsschutzversicherung? Stellen Sie sich jetzt doch mal ganz konkret vor, in wie vielen Bereichen ihres Lebens Sie in rechtliche Bedrängnis kommen können. In ganz existentielle wohl möglich! Arbeitsrecht, Verkehrsrecht, Streit mit den Versicherungen, Haftung für ihre Kinder, Mieter-Rechtschutz, usw. usw. Also die RS Versicherung, war für mich die erste, die ich in meinem Leben sofort abgeschlossen habe…
  • oder therapeutisch (plakativ): „, das ist also Ihr Problem. Aber Sie kennen doch sicher jemanden, der ein Problem in dieser Art vorbildlich meistern würde. Wer ist das für Sie? Wie macht er das (genau)? Wer macht das alles nach? Was würden Sie sich als erstes von diesen abschauen, was Sie auch selber umsetzen könnten?

Workbook Manipulation: Arbeitshefte

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