Hirnmechanik – der Cognitive Reflection Test (CRT #3)

Hirnmechanik – der Cognitive Reflection Test (CRT #3)

UNSER FAULES GEHIRN: Kaum zu glauben, aber wahr. Die einzige Wahrheit die es wirklich zu geben scheint ist die, die unser Gehirn konstruiert. Bei diesen Konstruktionsprozessen folgt es jedoch Regeln. Sind einem diese Regeln bekannt, kann man unserem faulen Hirn auf die Spur kommen und entweder Denkfehler vermeiden, oder gezielt die Fehlleistungen anderer Hirne nutzen. Anbei findest Du die „optischen Täuschungen“ unserer Denkmaschine, zusammengefasst im CRT, dem Cognitive Reflection Test.

 
 

Der Cognitive Reflection Test #3

Ein Beispiel dafür, wie unser Gehirn Abkürzungen liebt

Shane Frederick entwickelte diese Frage. Sie gehört zusammen mit noch zwei anderen zu dem sogenannten Cognitive Reflection Test (CRT). Sie entstand, als Kahneman und Frederick zusammen an einer Urteilstheorie arbeiteten. Die Ball-Schläger-Frage sollte die Lösung bringen, wie intensiv System 2 die Vorschläge von System 1 überwacht (mehr zu den beiden Systemen im Arbeitsheft: Irrweg Intuition). Und? Was glaubst Du, wie sorgfältig hat Dein System 2 die Antwort, die Du gefunden hast, überprüft? Welche Antwort schoss Dir denn intuitiv und unwillkürlich durch den Kopf? Sicherlich war es die Zahl Zehn! Was auch sonst. Intuitiv dürfte das für die meisten unter uns die absolut richtige Antwort gewesen sein. Sie ist aber falsch. Definitiv. Keine Diskussion. Dein System 2 war nicht sonderlich engagiert, die spontane Antwort noch einmal zu prüfen. Vielleicht hast Du Dir auch kurz überlegt, wieso ich eine so leichte Frage überhaupt hier aufgenommen habe – es aber dann verworfen. Vielleicht ist Dir auch aufgefallen, dass ich sie sogar unter dem Stichwort: Fehlleistungen eingeführt habe – aber es dann doch ignoriert. All das hat nicht ausgereicht, Dich gegen die Automatik Deines Systems 1 aufzulehnen. Du hast es geschehen lassen. Es war ja auch ein so schöner Flow. Frage – Antwort – Glücksgefühl. Jetzt hast du mal wieder den Salat. Ein tolles Beispiel zum Üben.

Ich bin mir sicher, dass auch diejenigen unter Euch, die auf die richtige Antwort kamen, zuerst die Zehn vor sich aufblitzen gesehen haben. Irgendwie habt ihr es aber dann geschafft, Euch gegen diesen intuitiven Impuls zur Wehr zu setzen. Euer System 2 hat also hervorragend funktioniert. Gratuliere.

Nun aber zur richtigen Antwort und dazu, was da eigentlich grad in Deinem Kopf passiert ist. Wenn es Dir jetzt nicht wie Schuppen von den Augen gefallen sein sollte, mach Dir nicht zu viel draus. Die Attraktivität der „kognitiven Leichtigkeit“ war nicht nur für Dich einfach unwiderstehlich. Als ich den CRT kennenlernte, ging es mir auch keinen Deut anders. Ganz gleich, was ich über intuitive Prozesse bereits schon wusste und wie aufmerksam ich auch glaubte zu sein, es ratterte einfach durch mich durch und blökte plötzlich glücklich und zufrieden aus mir heraus: Zehn! (Wie peinlich). Nur ein wirklich gelehrter Freund von mir, konnte mit der richtigen Antwort wie aus der Pistole geschossen punkten. Nicht jedes Hirn funktioniert eben gleich.

Aber zuerst, zur „technischen Auflösung„. Die Frage war, wie viel kostet der Ball wenn der Schläger ein Euro mehr kostet. In diesem „mehr“ liegt der Schlüssel zur Lösung. Sebastian Schieback von der HaMan-Fanpage auf Facebook hat das – wie ich finde – am besten erklärt: „Der Schläger soll ja nicht nur 1€ kosten, sondern 1€ mehr als der Ball. D.h. (Schläger + 1€) + Ball = 1.10€. Daraus folgt, Schläger und Ball müssen sich die restlichen 10ct teilen.“ Erst wenn der Schläger also 1.05€ und der Ball 0.05€ kosten, dann ist der Schläger auch wirklich diesen einen Euro teurer.

Damit hast Du jetzt aber eines der wichtigsten Gesetze unseres Nervensystems kennengelernt: Das Gesetz des geringsten Aufwands. Dieses Gesetz besagt, dass wir Menschen immer dann, wenn es scheinbar mehrere Wege gibt, um das gleiche Ziel zu erreichen, stets den Weg, mit dem geringsten Aufwand wählen werden. Unsere Ökobilanz muss einfach stimmen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung muss aufgehen. Faulheit ist einfach tief in unserer Natur hinein verwebt.

Hätte ich Dich kurz nach der Aufgabenstellung danach gefragt, wie Du auf dieses Ergebnis gekommen bist, dann hättest Du noch einen weiteren, spannenden Effekt bei Dir beobachten können. Du hättest Dich dabei erlebt, wie Du Deine falsche Antwort begründet hättest. Vielleicht kannst Du das sogar jetzt noch, wenn Du noch darum ringen solltest, irgendwie zu verteidigen, wieso Du auf diese Frage trotz derlei vieler Hinweise reingefallen bist. 😉

Wichtig zu merken:

  • Wenn Dich jemand nach Deiner Schätzung fragt, vergesse ganz schnell wieder, was zuvor gesagt wurde.
  • Wenn Du spürst, dass es in Dir ringt, dann ist der Weg der richtige.
  • Traue nicht der intuitiven Antwort Deines System 1. Prüfe sie gewissenhaft. Dazu ist System 2 da.

Mehr zu dieser Eigenart unseres Gehirns und weiteren sonderlichen Fehlleistungen habe ich in meinem Arbeitsheft: Irrweg Intuition beschrieben.

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