Hirnmechanik – der Cognitive Reflection Test (CRT #2)

Hirnmechanik – der Cognitive Reflection Test (CRT #2)

UNSER FAULES GEHIRN: Kaum zu glauben, aber wahr. Die einzige Wahrheit die es wirklich zu geben scheint ist die, die unser Gehirn konstruiert. Bei diesen Konstruktionsprozessen folgt es jedoch Regeln. Sind einem diese Regeln bekannt, kann man unserem faulen Hirn auf die Spur kommen und entweder Denkfehler vermeiden, oder gezielt die Fehlleistungen anderer Hirne nutzen. Anbei findest Du die „optischen Täuschungen“ unserer Denkmaschine, zusammengefasst im CRT, dem Cognitive Reflection Test.

 
 

Der Cognitive Reflection Test #2

Ein Beispiel dafür, wie unser Gehirn Abkürzungen liebt

Shane Frederick entwickelte diese Frage. Sie gehört zusammen mit noch zwei anderen zu dem sogenannten Cognitive Reflection Test (CRT). Sie entstand, als Kahneman und Frederick zusammen an einer Urteilstheorie arbeiteten. Die Fragen sollten die Lösung bringen, wie intensiv System 2 die Vorschläge von System 1 überwacht (mehr zu den beiden Systemen im Arbeitsheft: Irrweg Intuition).

Und? Was glaubst Du, wie sorgfältig hat Dein System 2 die Antwort, die Du gefunden hast, überprüft? Welche Antwort schoss Dir denn intuitiv und unwillkürlich durch den Kopf, als Du so über die Seerose philosophiert hast?

Ok! Ganz so kompliziert war es nicht, doch sicherlich hast Du auch für einen Moment mit der Zahl 24 sympathisiert, oder nicht? Dann wird sich blitzartig Dein System 2 eingeschaltet, und Deinen ersten, intuitiven Entwurf einer Antwort zerschlagen haben. Mit einem Bisschen Nachdenken wirst Du die 47 selbstverständlich als richtige Antwort gefunden haben. Was auch sonst.

Auf jeden Fall wirst Du für diesen kurzen Augenblick beobachtet haben können, wie mächtig Dein System 1 agiert. Es prüft nicht lange. Es nimmt den kürzesten Weg ganz egal, ob die Antwort passt oder nicht.

Auch an dieser CRT Testfrage können wir lernen, wie mächtig das „Gesetz des geringsten Aufwands unser Nervensystem diktiert. Die „Kognitive Leichtigkeit“ (cognitive ease/fluency) war, ist und wird der Maßstab aller Dinge dafür, ob alles leicht und gut läuft, ergo keine Bedrohung in Sicht und keine weitere Neuorientierung nötig ist. Damit der geringste Aufwand auch maximalen Effekt zeigen kann, sammelt unser Gehirn andauernd Hinweise, prüft und bewertet sie auf ihr Gefahrenpotential und legt sie als Bausteine für Verarbeitungsrituale ab. Zu diesen Bausteinen gehört auch der Aspekt: Vertrauen. Das, was man vertraut, muss ja schließlich nicht dauernd erneut geprüft werden. Daher ist zum Beispiel der Hinweisreiz Wiederholung ideales Material, aus dem diese Bausteine geformt werden können. Da Vertrautheit und Wahrheit sich nur sehr schlecht voneinander unterscheiden lassen, ist Wiederholung auch ein wunderbares Werkzeug zur Manipulation.

Wichtig zu merken:

  • Wenn Dich jemand nach Deiner Schätzung fragt, vergesse ganz schnell wieder, was zuvor gesagt wurde.
  • Wenn Du spürst, dass es in Dir ringt, dann ist der Weg der richtige.
  • Traue nicht der intuitiven Antwort Deines System 1. Prüfe sie gewissenhaft. Dazu ist System 2 da.

Mehr zu dieser Eigenart unseres Gehirns und weiteren sonderlichen Fehlleistungen habe ich in meinem Arbeitsheft: Irrweg Intuition beschrieben.

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