Hirnmechanik – der Cognitive Reflection Test (CRT #1)

Hirnmechanik – der Cognitive Reflection Test (CRT #1)

UNSER FAULES GEHIRN: Kaum zu glauben, aber wahr. Die einzige Wahrheit die es wirklich zu geben scheint ist die, die unser Gehirn konstruiert. Bei diesen Konstruktionsprozessen folgt es jedoch Regeln. Sind einem diese Regeln bekannt, kann man unserem faulen Hirn auf die Spur kommen und entweder Denkfehler vermeiden, oder gezielt die Fehlleistungen anderer Hirne nutzen. Anbei findest Du die „optischen Täuschungen“ unserer Denkmaschine, zusammengefasst im CRT, dem Cognitive Reflection Test.

 
 

Der Cognitive Reflection Test #1

Ein Beispiel dafür, wie unser Gehirn Abkürzungen liebt

Shane Frederick entwickelte diese Frage. Sie gehört zusammen mit noch zwei anderen zu dem sogenannten Cognitive Reflection Test (CRT). Sie entstand, als Kahneman und Frederick zusammen an einer Urteilstheorie arbeiteten. Die Fragen sollten die Lösung bringen, wie intensiv System 2 die Vorschläge von System 1 überwacht (mehr zu den beiden Systemen im Arbeitsheft: Irrweg Intuition).

In der Forschung hat es sich mittlerweile eingespielt, über zwei Systeme zu sprechen. Man hat sich verabschiedet von dem undifferenzierten „Unbewusst“ und „Bewusst“. Heute unterscheidet man in „System 1“ und „System 2“ oder neuerdings nur noch in „Typ 1“ und „Typ 2“. Die Entwicklung des Konzepts dieser beiden Systeme bringt einige Vorteile. Zum einen hilft uns diese Unterscheidung, die Funktionsrituale unseres Gehirns, die sich da in uns abspielen und unsere intuitiven Entscheidungen bahnen, leichter zu verstehen. Zum anderen macht diese Unterscheidung es überhaupt erst möglich, die Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Systemen wahrnehmen zu können und damit jedes für sich besser verstehen zu lernen.

Das Konzept von Ursache und Wirkung hat damit auch in der psychologischen Forschung einer systemischen, wechselwirkenden Betrachtung Platz gemacht. Vor allem aber ist es nun möglich geworden, viel einfacher zu verstehen, wie und anhand welcher Prozesse unsere inneren Systeme Entscheidungen fällen, ohne dabei einen langen Umweg über mehr oder weniger willkürliche Bedeutungszuschreibungen machen zu müssen.

Auch an dieser CRT Testfrage können wir lernen, wie unsere beiden Systeme zusammenspielen. Spontan mag Dir vielleicht zuerst die Zahl 100 durch den Kopf geschossen sein. Durch die mehrfache Nennung des Zahlenwertes hat sich ein Muster gebildet. Anders gesagt: System 1 hat ein Muster aufgebaut um der drohenden Frage möglichst gewappnet gegenüber zu stehen. Und das wird es dann in aller Regel auch gewesen sein. 100 Maschinen müssen ja dann logischerweise auch 100 Geräte in 100 Minuten herstellen.

Das wird der Moment gewesen sein, an dem sich Dein System 2 eingeschaltet hat. Es hat seine Überwachungsfunktion ernst genommen und wohl möglich unmittelbar gemeldet: Halt! Stopp! Hier stimmt was nicht!

So funktionieren sie, die beiden Systeme. In dieser Beschreibungsmetapher wird es deutlicher: System 1 tut nach seinem eigenen Kopf was es will und System 2 mischt sich nur ein, wenn es haarig wird.

Wichtig zu merken:

  • Wenn Dich jemand nach Deiner Schätzung fragt, vergesse ganz schnell wieder, was zuvor gesagt wurde.
  • Wenn Du spürst, dass es in Dir ringt, dann ist der Weg der richtige.
  • Traue nicht der intuitiven Antwort Deines System 1. Prüfe sie gewissenhaft. Dazu ist System 2 da.

Mehr zu dieser Eigenart unseres Gehirns und weiteren sonderlichen Fehlleistungen habe ich in meinem Arbeitsheft: Irrweg Intuition beschrieben.

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