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Die Mär vom spendablen Manne

Die Mär vom spendablen Manne

Leitwolf Mann

Der Mann: Nach Jahrtausenden des Zusammenlebens gibt er durch mancherlei Verhaltensweisen immer noch Rätsel auf. Eine davon ist der Glaube der fürsorglichen und wehrlosen Frau das Essen zu beschaffen oder in der heutigen Zeit doch wenigstens zu bezahlen. Doch woher rührt eigentlich das Verlangen der Männer nach dem Essen gleich die Geldbörse zu zücken?

 

„Mann Hunger!, Mann Jagen!“

Wie viel Ur-Getier tatsächlich noch im heutige Mann steckt

Nehmen wir als Beispiel einmal etwas ganz alltägliches: das Essen. Essen ist nicht einfach nur die schlichte Versorgung unseres Körpers mit Nährstoffen. Nahrungsaufnahme ist mehr. Viel mehr. Es ist ein komplexes Ritual zur Bedürfnisbefriedigung und dieses folgt ganz eigenen Spielregeln. Das wird ganz schnell deutlich wenn wir Männer plötzlich dieses „bestimmte Gefühl“ vor der Fleischtheke bekommen. Da scheint es, als ob „essen“ etwas mit jagen, töten, ausweiden, zerlegen, nach Hause schleppen und auf den Grill schmeißen zu tun haben muss. Zumindest dann, wenn es richtig Spaß machen soll, die Nahrungsaufnahme. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Wenn man zum Beispiel zu der Kategorie Mann gehört, die gerne mit langer Gabel in Rohkost, Gemüse oder Tofu herum stochert. Dann gilt diese Regel eher nicht. (Vielleicht ist das auch der Grund, warum es mehr als drei Mal so viele Frauen gibt, die sich vegetarisch ernähren, als Männer).

Soll eine anständige Mahlzeit uns Männer also nicht nur satt machen, sondern auch befriedigen, muss neben dem Möhrchen schon ein anständiges Stück Fleisch liegen. Und da wir dies in aller Regel nicht mehr selbst erlegen durften, muss auf jeden Fall eine Ersatzhandlung dafür her. Diese springt einem förmlich ins Auge, vor allem dann, wenn „Mann“ sich nicht alleine über die im Supermarkt erlegte Beute hermacht, sondern zum Festschmaus seine Liebste in ein schickes Restaurant ausführt.

Da ist es dann auch egal, zu welcher Kategorie der Zweckernährten man sich zählt. Rohkost oder Fleisch, ganz egal, Fakt bleibt: Mann hat die Rechnung zu begleichen. Die charmante Begleitung bezahlen lassen, dass wäre ein „No Go!“[2].  Das tut man nicht. Das tut man deshalb nicht, weil es dem uralten, tief in uns verzahnten Rollenbild unseres Reptilhirns vom Jäger und Beschützer nicht entspricht. Und weil das schon seit je her so war, finden wir diese Spielregel auch fest etabliert in unseren zwischenmenschlichen Beziehungssystemen. Zumindest mit einem komisch Gefühl.

„Ich bin der Mann, Ich zahle“

Wohl kaum eine Frau wird diesen Satz noch nicht von einem Mann beim Ausgehen gehört haben. Die Frage ist: Ist diese Aussage charmant oder doch eher total veraltet?

Tatsache ist, dass dieses Programm bei den Männern tief verwurzelt ist und quasi eine Ausgleichshandlung zum „Beute heimbringe ist“

„Mann stark!, Mann zahlen!“

Wie zahlende Männer ihre Position im Rudel demonstrieren

Emanzipation hin oder her – in den meisten Fällen zahlt immer noch der Mann die Rechnung.

Entspannt die Geldbörse stecken lassen, das wird schwer. Das Dumme ist nun, dass wir nicht wirklich wissen können, woher dieses komische Gefühl kommt. Unser Gehirn ist schlicht nicht so verdrahtet, dass wir diesen Impuls zurückverfolgen könnten. Was wir hingegen verfolgen können, sind die Auswirkungen dieser kompromisslosen Hirnmechanik.

Wenn wir zum Schluss dann noch ein saftiges Trinkgeld auf den Tisch legen, können wir uns zwar sicher sein, unsere Wirkung gegenüber unserer Begleiterin wird sich verdoppelt haben! Nur das große Loch im Portemonnaie zeugt noch davon, dass dieser Eindruck teuer erkauft war. Im übertragenden Sinne haben wir also nicht nur „Fresschen fürs Weibchen“ erfolgreich im Supermarkt gejagt, erlegt und zum Lagerfeuer geschleppt, sondern durch unser soziales Engagement uns auch gleich noch den Platz als Rudelführer gesichert.

 

Leitwolf : Mann

Ein Überbleibsel aus der Zeit der Jäger und Sammler

Aber was macht nun dieses Alltagsritual zur Manipulationsstrategie? Na, die Bewusstheit natürlich. Jetzt wo man um die unbewussten Verarbeitungsrituale in diesem Spiel weiß, wird es möglich den Verlauf zielführend zu beeinflussen. Sollte Mann also tatsächlich einmal zögern mit dem bezahlen, oder umgekehrt, die Stimmung sich plötzlich verschlechtern nur weil die emanzipierte Frau von Welt ihre Zeche selber übernimmt, könnte eine sanfte Erinnerung an die Rudelinstinkte aus grauer Vorzeit Wunder bewirken. Ein Hinweis darauf, wie sicher Frau sich in seiner Gegenwart fühlt, wie aufgehoben und umsorgt, wird die Verdrahtungen dieses Musters schon wieder zum Glühen bringen. Ganz egal ob er nun endlich zahlen soll, oder es als Besänftigung dient, um die Stimmung zu retten.

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