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Die beste Burn-Out & Stress Prophylaxe

Die beste Burn-Out & Stress Prophylaxe

Die beste Prophylaxe: Es ist stressiger geworden, in unserer Welt. Darüber besteht kaum Zweifel. Wirksame und effiziente Strategien müssen her, um diesen neuen Stresspegel wirksam zu begegnen. Eine Variante der positiven Manipulation hat der Psychologe Sheldon Cohen von der Carnegie Mellon University, Pittsburgh, USA herausgefunden. 

Früher war einiges anders

Ein paar gravierende Unterschiede eines schleichenden Wandels

Von der Langsamkeit früherer Tage

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, ja sogar auch noch an die ersten Jahre meines Studiums in der „Großstadt“, dann fällt mir vor allem eines im Vergleich zu heute auf: Ich hatte mehr Zeit! Nicht mehr Zeit im quantitativen Sinne, logischerweise nicht, dafür aber mehr Zeit im qualitativen Sinne. Die Zeit damals hatte einfach eine andere Qualität. Ob sie besser war, ich bin mir nicht sicher. Aber bis heute hat sie für mich noch etwas Besonderes, etwas charmantes, etwas verführerisches, an das ich gerne zurückdenke.

Als durch eine Laune des Schicksals ich mich im vergangenen Sommer nur noch auf die Verfügbarkeit von Leihwagen konzentrieren musste und nicht mit dem eigenen Auto hinfahren konnte, wann und wohin ich wollte, da fiel mir dieser Unterschied besonders auf. Es war ein sonniger Samstagmittag, meine Kinder waren übers Wochenende bei uns eingezogen und es lag auf der Hand, dass man einen solch entspannten Sommertag am Baggersee zu verbringen hatte. Die Sachen waren schnell gepackt und dann ging es los. Zu Fuß natürlich. So weit ist es eigentlich nicht. Knapp vier Kilometer waren zu meistern. Mit Gepäck und in dieser Hitze aber eine Strecke, für die man gut und gerne eine dreiviertel Stunde brauchen kann. Es war ein gemütlicher Spaziergang. Hin und zurück. So viel Zeit sich einander etwas zu erzählen. Mal mit dem einen, mal mit den anderen. Früher, ja früher war das normal. Wie viel Zeit haben wir zu Fuß unterwegs verbracht, oder auf dem Fahrrad. Dabei sein und wissen wollen wo was passierte, das musste ich auch damals. Aber um an diese Information zu gelangen, musste man sich selbst bewegen. So verging viel Zeit. Viel Zeit die man vor allem mit sich verbrachte. Eine Qualität, die ich in der Art heute nicht mehr so oft habe. Heute reicht ein Blick auf mein Smartphone und ich weiß von mindestens einem Dutzend Menschen, wo sie gerade sind, was sie denken, tun, oder unbedingt der Menschheit mitzuteilen haben. Bewegen muss ich dazu lediglich meine Hand zur Tasche. Mehr nicht. Ein Fahrrad habe ich schon gar nicht mehr.

Natürliche Stressprophylaxe neu definiert 

Mit der Langsamkeit und der Zwangsläufigkeit die Lücken zwischen den einzelnen Alltagsevents mit sich selbst zu verbringen, fällt mir aber noch ein anderer Unterschied auf: es war leichter, all den eigenen und natürlich auch den Erwartungen der Anderen zu begegnen. Hatte ich zum Beispiel den Wunsch nach einem neuen Buch, ging man zum Buchhändler um die Ecke. Man blätterte in den dicken Wälzern der lieferbaren Bücher, und bestellte es sich. In meiner Jugend waren das vor allem Zauberbücher. Auf dieses Eine musste ich dann warten. Ein paar Tage vergingen dann schon bis es endlich da war und man es abholen konnte. Heute sind es zwei Klicks und wenn ich will, habe ich es dann auch sofort. Meist bleibt es aber nicht bei dem Einen. Schnell landen dann auch schon mal Zwei, Drei mehr im virtuellen Einkaufskorb. Eines als eBook, dass ich unbedingt noch schnell mitbestellen musste, das Andere als gedrucktes Werk. Das fiel mir zufällig auf den Schirm. Andere haben es immerhin ja auch gekauft, heißt es da. Und wenn Andere sich so entschieden haben, na dann muss ich ja auch. Schlussendlich landet dann auch noch das Eine, was ich eigentlich wollte, im Warenkorb. Wo das hinführt ist mittlerweile selbst mir bewusst. Überall türmen sich nun die Bücher in unserer Wohnung. Überall. Vor dem Bett, in meinem Büro, unter der Treppe, selbst in der Küche liegen sie von Zeit zu Zeit verstreut. Irgendwann räumt sie dann meine süße Partnerin irgendwohin aus dem Weg. Aufräumen nennt sie das. Ich sehe das eher als lästige Schnitzeljagd. Wie auch immer. Wissen wollte ich ja schon immer und meist auch sehr genau. Da schaden ein paar Bücher mehr oder weniger ja nicht. Wenn ich mich dann nur nicht ab und an beschweren hören würde, was ich so alles noch zu lesen hätte. Oh! Was ein Stress! Ein Lesestress! Als ob es mir irgendjemand anderes aufgetragen hätte. Lächerlich. Früher war das anders. Heute braucht man wohl andere „Skills“, wie es im neudeutsch so schön heißt, um seine eigenen Bedürfnisse und Erwartungen zielgerichtet zu führen. Zu schnell, zu leicht kann man sie befriedigen. Und genauso schnell wächst dann die ToDo-Liste.

Prof. Sheldon Cohen

Prof. Sehldon Cohen Jahrgang 1947, Professor für Psychologie an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburg, Pennsylvania, USA und Direktor des dortigen Labors für Stress, Immunität und Krankheit

Die beste Strassprophylaxe

Was Prof. S. Cohen erstaunliches herausfand

Stress & BurnOut Prophylaxe

Wenn der hausgemachte Stresspegel steigt, wird umso lauter auch der Ruf nach wirksamer Prophylaxe. Nicht nur eine kraftvolle Selbstführung kann den gesunden Umgang mit Stress fördern, auch eine tägliche Umarmung. 

In den letzten zwanzig Jahren scheinen wir vor allem das gelernt zu haben: Bedürfnisse lassen sich schnell befriedigen. Das Angebot ist vielfältig. Verlockend. Unüberschaubar einstweilen. Wir alle haben das gelernt. Unsere Kinder lernen das, unsere Partner wissen das, unsere Freunde, Chefs und Vorgesetzten. Und plötzlich geht es dann allen so, wie mir mit meinem Büchern. Der hausgemachte Stresspegel wächst. Nur mit diesem Pegel anständig umzugehen, dazu scheint uns oftmals die Phantasie zu fehlen. Wir haben nicht mehr die Zeit um uns mit uns selbst zu beschäftigen. Uns zu erleben. Uns zuzuhören. Wir hetzen von einem Buch zum nächsten, versuchen unseren und den Erwartungen aller anderen gerecht zu werden, und fallen irgendwann ganz außer Atem um. BurnOut nennt man das. Auch ein Neudeutsch-Wort, das eigentlich nur meint, dass wir emotional irgendwann nicht mehr können.

BurnOut – ein Phänomen der „Neuzeit“

Aber wie verhindern, dass man irgendwann ausbrennt? Wie wirksame Prophylaxe betreiben, gegen den Stress im eigenen Haus? Zum Asket werden – wäre sicherlich eine Möglichkeit. Doch ich schätze mal, dass für eine derartige Lebenserfahrung nur die wenigsten unter uns auf diese Welt gekommen sind. Sich selbst, den Umgang mit Erwartungen und mit den eigenen Bedürfnissen besser führen lernen, das wäre ein anderer Ansatz. Ein etwas aufwendigerer, das gebe ich gerne zu. Doch auch der nachhaltigste den ich kenne. Da wir ja aber alle keine Zeit haben, gibt es natürlich noch eine dritte Alternative, bevor man zur Krone greift. Das Zauberwort heißt: soziale Unterstützung.

Ein gewagtes Experiment

Dass soziale Unterstützung gegen die krankmachenden Effekte von Stress schützt, das hat die Gesundheitspsychologie schon hundertfach bestätigt. Wie aber soll das funktionieren? Genau das wollte der amerikanische Psychologe Prof. Sheldon Cohen herausfinden. Er hatte wahrgenommen, dass es vor allem darauf ankommt, das Gefühl zu haben, sich von anderen geborgen und akzeptiert zu wissen. Vor allem dann, wenn einmal der Stresspegel wieder am Anschlag steht. Doch woher können wir wissen, dass man sich geborgen und akzeptiert fühlen kann? Dazu hatte der Psychologe die Hypothese, dass Andere uns ihre Unterstützung durch körperliche Nähe, durch Umarmungen oder Händchenhalten zu zeigen versuchen. Das musste er jetzt nur noch beweisen. Und diesen Beweis trat er auch an. In einer noch nie dagewesenen Studie wählte er über 400 Probanden aus die auf Herz und Nieren untersucht wurden. Mit dem Gesundheitsattest in der Tasche verfolgte der Professor nun täglich die sozialen Interaktionen, die Stress- und Konfliktherde im Alltag, aber auch wie oft ihre Probanden täglich in den Arm genommen wurden. Nach vierzehn Tagen steckte er dann alle vierhundert in Quarantäne und infizierte sie mit einem recht harmlosen Grippevirus. Jetzt wurde gemessen, gewogen und gezählt. Wer aus dieser Gruppe zeigte nun mehr und wer weniger Grippesymptome?

Ein erstaunliches Ergebnis

Das Ergebnis seiner Arbeit war erstaunlich. Cohen konnte resümieren, das je mehr Konflikte seine Probanden in den vierzehn Tagen erlebt hatten, desto höher auch das Infektionsrisiko gewachsen war. Das galt allerdings nur für die Probanden, die gar nicht oder sehr wenig am Tag umarmt wurden. Bei den Probanden die viele Umarmungen erhalten hatten, drehte sich der Effekt sogar um. In je mehr Konflikte diese Knuddelexperten  reinschlidderten, desto deutlich sank auch das Infektionsrisiko. Aber nicht nur das, auch die Infektion selber war – wenn schon – dann weniger schwerwiegend.

Cohen schlussfolgerte damit, dass wir Menschen Umarmungen als Zeichen sozialer Unterstützung werten. Und genau dieses Gefühl wirkt sich positiv auf unser Immunsystem aus. Die Analogie zum Stress kann damit auch ganz mutig gezogen werden. Umarmungen können ganz gravierend den krankmachenden Effekt von Stress aufheben. Die „Free-Hugs-Kampagnen“ sind damit also nicht nur ein lustiges Kuriosum, sondern effektive Gesundheitsprophylaxe auf allen Ebenen.

FREE HUGs

Get Closer Eine erstaunliche Kampagne für Pro Infirmis der Agentur Jung von Matt

Wenn Einflussnahme sich einmal als liebevolle Umarmung entpuppt, dann kann man nur staunen, welch einen Effekt das haben kann. So auch hier in der Pro Infirmis – Get Closer Kampagen der Agentur: Jung von Matt. Mal ganz nebenbei, auch eine Variante um mit Behinderung, sozialem Ausschluss und Vorurteilen umzugehen. Auf jeden Fall ein Pattern Interrupt der besondern Art.

Mein Resüme

Das nächste Mal, wenn ich also wieder einmal eines meiner Bücher suche, werde ich es versuchen. Ich werde meine Partnerin von ganzem Herzen in die Arme nehmen. Suchen werde ich wohl dann immer noch müssen, doch ob es mich dann noch so stresst, wird sich zeigen.

Quelle

Cohen, S., Janicki-Deverts, D., Turner, R. B., & Doyle, W. J. (in Druck). Does hugging provide stress-buffering social support? A study of susceptibility to upper respiratory infection and illness. Psychological Science.

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