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Angela Merkel – Metamodell

Angela Merkel und das MetaModell

Wie man zwar nicht hört, was Sie meint, aber dafür mitbekommt, was Sie will

MetaModell: Das MetaModell gehört zu den Grundwerkzeugen des NLP. Durch differenziertes Wahrnehmen der sog. Oberflächenstruktur eines gesprochenen Satzes, kann man schnell auf die mögliche, vollständigen Repräsentation des zugrunde liegenden Erlebnisinhaltes in der Tiefenstruktur des Sprecher schließen. Auf dem Weg nach „oben“ verfälschen Tilgungen, Verzerrungen und Generalisierungen die ursprüngliche, vollständige Repräsentation und, anstatt sich nun klar und deutlich an der Oberfläche zu zeigen, lädt der gesprochene Satz nun vielmehr den Hörer dazu ein, eigenen Erlebnisinhalte in die löchrigen Worthülsen zu projizieren, die nur noch durch gezieltes, waches  Nachfragen wieder klar und bewusst werden können. Politische Reden – besonders die von Angela Merkel – sind ein Willkommenes Spielfeld, genau diese Differenzierungen zu Üben. 

Quelle: (Auszug/Ergänzung) Handbuch Manipulation | verbale Einflussnahme | MetaModell ab Seite 151ff
s.h. auch Arbeitsheft: Glaubenssysteme IB3 (Download als: *.pdf, *.mobi,*.epub)

 
 

Kurze Wiederholung

Wie es sich da so tummelt, in den Windungen unseres Gehirns

Wiederholen wir noch einmal schnell. Wie wir bisher gesehen haben, ist unser Hirn darauf ausgelegt, möglichst schnell, andauernd und zuverlässig aus allen möglichen Erfahrungen und Erlebnissen, Muster zu bilden. Der Sinn und Zweck, den diese musterbildenden Prozesse verfolgen ist, uns in die Lage zu versetzen, in einer extrem komplexen Welt, uns möglichst ökonomisch, einfach und schnell zurechtzufinden.

Die Ergebnisse dieser Prozesse sind synaptische Verdrahtungen und automatisch ablaufende Verschaltungen, nach denen wir meist unreflektiert und unbewusst automatisch, sozusagen ganz unwillkürlich reagieren.

Für das Ziel effektiver Einflussnahme entwickeln sich daraus zweierlei Ansatzpunkte. Um auf die Willfährigkeit des Menschen Einfluss zu nehmen, beschäftigen wir uns nicht wie gewohnt mit dem Verhalten oder gar den sachlichen Informationen und Argumenten unseres Gegenübers. Sondern wir beschäftigen uns mit den Prozessen, mit den Mustern, die diesen speziellen Ausdruck bilden. Das ist um ein Vielfaches effektiver. Können wir diese Muster beispielsweise exduzieren, also bewusst machen, dann hören sie für eine Weile auf, als Automatik zu laufen. Ist diese Automatik samt ihrem Ausdruck in Fühlen, Denken und Verhalten aber für uns zweckdienlich, dann sollte man sie unberührt lassen und als starke Verbündete nutzen.

Das Meta-Modell der Sprache dient nun dem ersten dieser beiden Aspekte. Dem Erkennen, Bewusstmachen und Stoppen. Als „Meta“ wird dieses Modell deshalb genannt, weil es ein Modell über allen Modellen beschreibt, nämlich das Modell der Sprachbildung. Daher eben „Meta“, das „darüber liegende“ sozusagen.

Unser Gehirn – unendliche Weiten. Durch die Muster gestaltenden Prozesse: Tilgung, Verzerrung und Generalisierung verschafft sich nicht nur das sprechende Gehirn Luft und macht es sich bequem, sondern auch das hörende Hirn quält sich nicht lange damit, den Verletzungen der Wohlgeformtheit auf den Grund zu gehen, sondern füllt der Einfachheit halber, gleich die eigenen Erlebnisinhalte ein. Verständnis nennen wir das dann. Nur zwischen den Geschlechtern fällt noch ab und zu auf, dass dieser Prozess nicht immer der zielführendste ist.

Ziel und Zweck des MetaModells

Wie klar wird, was schon ins Licht getreten ist

Realitätskonstruktionen sind schwer zu erkennen. Am schwersten für den, der sie selber bildet. Zu verschlungen, überlagert, und von störenden, bewussten Rezension abgeschirmt repräsentieren sie eine ausgeklügelte Strategie zum Überleben. Die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, das Überleben in der Gruppe und die Bahnung entsprechenden Verhaltens und Artikulierens sind Entscheidungen, die lange vor irgendeiner bewussten Einmischung getroffen sind.

Ziel des Meta-Modells ist es, das Modell der Wirklichkeit eines Menschen in der Art wieder zu erweitern, dass alte, zum Beispiel einschränkende Realitätskonstruktionen, nicht mehr unbewusst und damit überhaupt ablaufen können. Das kann man doch für so einiges brauchen, oder nicht?

Man könnte auch sagen, das Meta-Modell glänzt heute vor allem dann, wenn es gilt Klarheit über die Struktur innerer Realitätskonstruktionen und Muster zu bekommen. Und das will man vor allem dann, wenn solche Muster unerwünschtes Verhalten auslösen, bestimmtes Realitätserleben provozieren, oder schlicht gesagt, sich einfach einschränkend oder unerwünscht auf Verhalten auswirken.

Das ist auch der Grund, warum sich das Meta-Modell in der Therapie größter Beliebtheit erfreut. Hier geht es ja gerade darum: Einschränkendes Realitätserleben überhaupt erst einmal wieder wahrnehmen zu können, es in einer zielführenden Art und Weise verstehen zu lernen und idealerweise schlussendlich auch aufgelöst zu bekommen. Das ist nun eigentlich auch nichts anderes, als ein Manipulationsprozess. Der einzige Unterschied liegt darin, dass hierfür der Klient einen Auftrag gibt und sogar dafür bezahlt.

Therapeuten die ihre Arbeit ernst nehmen, werden zudem Sorge dafür tragen, dass ihr Klient diese Schritte mehr und mehr autonom, selbst gestaltend und in seiner ganz eigenen, individuellen Art und Weise tut. Das ist aber nun wieder überhaupt kein Unterschied zu der Zielrichtung, die wir in unserem Kontext von Einflussnahme verfolgen. Wenn du dich an den Manipulationsalgorhythmus erinnerst, dann ist ein Aspekt davon, die Selbstgestaltung, das Eigeninteresse. Nicht die autoritäre Verordnung!

Kurz zur Geschichte

Wo es herkommt, das MetaModell der Sprache

Das Meta-Modell der Sprache hat seinen Ursprung bei Alfred Korzybski und Noam Chomsky. Korzybski hatte schon 1938 ein Sprachenmodell entwickelt, das er „Neuro Linguistic Training“ nannte. Er beobachtete, dass die zwei Formen des Verbs „sein“ (das „ist“ der Identität und das „ist“ der Aussage) strukturelle Probleme hervorrufen. Zum Beispiel hat der Satz „Der Mantel ist rot!“ keinerlei Beobachter und findet in einer abstrakten Welt statt. Wer sieht den Mantel in welchem Rot? Noam Chomsky bezog sich auf diese Beobachtungen und definierte in verschiedenen und oft überarbeiteten Versionen das Modell der Transformationsgrammatik.

Nun kam John Grinder – den hatte ich ja schon mal als Gründungsvater des NLP kurz vorgestellt. Nun, John Grinder legte mit seiner Dissertation zum Thema „Deletions“ (Grinder, 1976), die er auf der Basis von Chomskys Werken schrieb, den Grund für die Entwicklung des Meta-Modells der Sprache. Bandler und Grinder suchten nach Möglichkeiten, mit dem tranformationsgrammatikalischen Modell von Chomsky auf der Basis der Dissertation von John, Sprachmuster herauszufinden, die für den Erfolg bedeutender Therapeuten verantwortlich schienen.

Das angewendete Prozedere beschrieb Richard Bandler dann in seiner Dissertation „The Structure of Magic“ (Bandler, 1998). Das Meta-Modell wurde so zum ersten NLP-Werkzeug, das Bandler und Grinder Mitte der 1970er-Jahre veröffentlichten (Grochowiak, 2002).

Alfred Korzybski (03.07.1879 Warschau, Polen – 01.03.1950 Connecticut, USA) schrieb 1933 sein Hauptwerk Science and Sanity” (.pdf, 35MB), in welchem er wesentliche sprachwissenschaftliche Erkenntnisse seiner Zeit, Ansichten der analytischen Philosophie sowie die damals bekannten biologischen, neurobiologischen und evolutionsbiologischen Kenntnisse zu einem therapeutischen Modell integrierte.

Funktionsweise

des MetaModells

Klaus Grochowiak

Klaus Grochowiak

Klaus Grochowiak Gründer der CNLPA, Master-Trainer der INLPTA (International NLP Trainers Association, Wyatt Woodsmall), NLP-Lehrtrainer, DVNLP (Deutscher Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren e. V.), Certified Trainer der Society of Neuro-Linguistic Programming (Bandler & Associates), Certified Trainer der NLP Connection (Institut von Chris Hall), NLP-Lehrcoach und Ausbilder im Deutschen NLP-Coaching-Verband e. V., usw. usw.

Klaus Grochowiak ist Author zahlreicher Fachbücher und arbeitet seit 1986 als Management-Trainer und -Coach für namhafte deutsche Unternehmen.

Das wesentlichste Strukturmerkmal des Meta-Modells ist die Unterscheidung von „Oberflächenstuktur“ und der „Tiefenstruktur“.

Mit dieser Unterscheidung beschreibt das Modell der Sprache nun, dass unser (sprachliches) Bild von der Welt mit Hilfe dreier, universeller Gestaltungsprozesse: (1) Generalisierung, (2) Tilgung und (3) Verzerrung entsteht. Diesen musterbildenden Prozess nutzt unser Hirn, um Erlebnisse im Kontext unserer bisherigen Erfahrung sozusagen homöostatisch und ökonomisch zu verarbeiten und entsprechend optimiert abzulegen.

Menschen kommunizieren. Das tun sie mit sich selber (Bewusstsein) und untereinander. Erfolgreich klappt dies am Besten dann, wenn sie dazu Sprache einsetzen. Das gesprochene Wort, das am Ende aus unserem Mund kommt, ist somit nichts anderes, als eine verkürzte Repräsentation unseres inneren Erlebens. Diese ist aber in den seltensten Fällen vollständig. Die vollständige, sprachliche, aber auch unbewusste Repräsentation dessen, was kommuniziert werden soll, bezeichnet man nun als Tiefenstruktur.

Durch die oben genannten „Gestaltungsprozesse“ (Generalisierung, Tilgung und Verzerrung) erfolgt nun eine geeignete Verarbeitung (Transformation), die dann in der kommunizierten Sprache, der Oberflächenstruktur, ihren Ausdruck findet. Sprache ist demnach eine „Repräsentation einer Repräsentation einer Erfahrung“ (Grochowiak, 2007).

Das eigentliche Meta-Modell besteht nun aus einer Reihe von Gruppen von Verletzungen der Wohlgeformtheit eines Satzes. Diese Verletzungen der Wohlgeformtheit macht man nun mit Fragen wieder bewusst. Damit gelingt es dann, sich durch die Oberflächenstruktur zu der zugrundeliegenden Tiefenstruktur durch zu graben.
Mit diesen Meta-Modell-Fragen werden nun alle erkannten Generalisierungen, Tilgungen und Verzerrungen, die von der Tiefenstruktur zur Oberflächenstruktur geführt haben, hinterfragt und an wichtigen Stellen wieder bewusst gemacht.

Dies ermöglicht nun wieder mehr Verständnis in die zugrundeliegende, unbewusste Tiefenstruktur und bricht damit das einmal automatisch gebildete Muster Stück um Stück auf. Neue Verdrahtungen können gebildet werden. Ein neues Muster entsteht. Fertig.

Das Meta Modell

mehr Praktisches dazu im Handbuch


Wenn Du jetzt mehr Lust auf dieses besondere Meta-Modell bekommen hast, Sprache auch noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive hören zu lernen, zu verstehen und effizient zu nutzen, dann melde Dich mit Deinem Study-Account an, oder schlage im Handbuch ab Seite 151 nach. Hier bespreche ich ausführlich die einzelnen Gestaltungsprozesse anhand vieler Beispiele.

Download

MetaModell Kurzübersicht als Loseblattsammlung

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Fachartikel Priming : Loseblattsammlung kostenloser Download

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Download: Workbook (Teil B: Anhang): MetaModell, 10 Seiten, 1.444KB, .pdf

Ein Beispiel aus der Rede von Frau Merkel:

„Ich muss sicher sein, das wir auch das Richtige tun!“

Nun stellen sich dem aufmerksamen Hörer gleich zwei Fragen: Wer ist „wir“ und was ist „das Richtige“. Sicher, Frau Merkel erklärt es gleich. Zumindest das Zweite, nämlich: „das Richtige ist nicht dies oder da, sondern was am Ende dem Menschen hilft!“ – sind wir jetzt schlauer? Nein aber man fühlt sich so.

Innere Erlebniswelten 

  • tonale Markierung:
    „Sicher“ und „das Richtige“ wurden von Frau Merkel tonal markiert.
  • Fehlender Referenzindex (Lack of Referential Index)
    Getilgt ist und bleibt der Bezugspunkt für „wir“ und „das Richtige“. Der geneigte Hörer könnte in diese Worthülse nun seine Interpretation einsetzen und hören, dass mit dem „wir“, Frau Merkel ihre ganze Parte meint. Ein anderer fühlt vielleicht sich als „wir Wähler“ angesprochen. Ein Dritter hört in dem „wir“ das ganze Volk.
    „Das Richtige ist das, was dem Menschen hilft“ ist am Ende ja die Antwort. Ja. Das fühlt sich doch gut an, oder nicht? Jeder Hörer wird sofort innere Bilder von seinen Varianten vor Augen haben, wie so eine Hilfe denn aussieht. Der Rentner, wie die junge Familie, der Arbeitslose wie der Spitzenverdiener – „Sicher tut Frau Merkel das Richtige was mir hilft!„.
    Ich hingegen bin mir sicher: Das wird Sie alles mit Sicherheit nicht gemeint haben. Nur gesagt hat sie es. Ist aber nicht so schlimm… 😉

Alles Weitere findest Du
im Handbuch Manipulation ab Seite 157

Das Beispiel aus der Rede von Frau Merkel:

„Das ist keine Selbstverständlichkeit!“

Sicher, das haben ja auch „wir gemeinsam geschafft!“. Wenn man diese Aussage zur Gruppe der Verzerrungen ordnet, erkennt man darin eine Vorannahme. Eine sogenannte „Präsupposition“.

Innere Erlebniswelten 

  • Verzerrung: Vorannahme
    Frau Merkel impliziert mit dieser Aussage, dass es so etwas wie eine „Selbstverständlichkeit“ geben muss und erhebt das Gegenteil nun zur Regel. Eine geringe Arbeitslosenquote ist also die Ausnahme. Das ist was Sie wortwörtlich sagt. Im Ernst: würden wir so eine Regierung wollen, für die das die Ausnahme ist? In diesem kurzen Moment des unbewussten Suchens nach Ausgleich dieser Verletzung der Wohlgeformtheit, kommt zum Glück Frau Merkel in großen Schritten entgegen. „Das haben wir gemeinsam geschafft!! ruft Sie ja entgegen. Puhh,.. Na zum Glück! Wir haben es geschafft! Na dann… Dann muss ich ja nicht weiter nach ner Antwort suchen, was Sie da unter Selbstverständlichkeit versteht und was nicht. Hauptsache, geschafft ist es.

Alles Weitere findest Du
im Handbuch Manipulation ab Seite 169

Das Beispiel aus der Rede von Frau Merkel:

„Deutschland steht heute gut da!“

Eine Generalisierung ist schlicht gesagt,eine zur allgemeinen Gültigkeit ernannte Aussage. Das ist für unser Hirn ökonomischer, als sich mit den ganzen Details zu beschäftigen.

Innere Erlebniswelten 

  • Generalisierung: Fehlender Bezug
    Ok. Frau Merkel differenziert anschließend ihre Regel ein wenig. „Mehr Beschäftigung als je zuvor!“ – wann war dieses „je zuvor“ nochmal (s.o.)? Und schon wieder dieses ominöse „wir“ im: „das haben wir gemeinsam geschafft“. Aber definiert sich Das Standing Deutschlands nur aus diesem einen Aspekt der Arbeitslosenquote?.
  • „…das wäre nicht gut für Deutschland!“
    eigentlich eher eine Tilgung, wie Sie Ihren Satz abschließt. Da es aber als Abschluss zu ihrer Eingangs aufgestellten Regel daher kommt, kann man diese Aussage auch als Generalisierung anschauen. Als Universal-Aussage. „Universalquantor“ nennt man das dann im Fachchinesisch. Oder als Beziehungsaussage, wenn man es persönlicher möchte. Je nach Hörer geht hier die Eine oder andere Erlebniswelt nun wieder auf: Die Bundes-Angi, die fürsorglich alle armen, kleinen, dummen Bürger unter ihre Fittiche nimmt. Oder die Allwissende Angi, die genau weiß, was gut ist und was nicht. Oder die Allmächtige Angi, die Deutschland dahin geführt hat, wo es heute gut steht (mitten im Sumpf!:-)).

Alles Weitere findest Du
im Handbuch Manipulation ab Seite 163

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